Gewächshausbeschattung: wie viel Schatten braucht Ihre Kultur?
Zu wenig Schatten, und die Tomaten bekommen im Juli Sonnenbrand. Zu viel, und der Salat wächst nicht. Dieser Artikel erklärt, woran sich der richtige Beschattungsgrad festmacht – und am Ende rechnen Sie ihn für Ihren Betrieb selbst aus.

Gewächshausbeschattung ist das gezielte Reduzieren von Sonnenlicht und Wärme im Gewächshaus, um Hitzestau, Sonnenbrand und Lichtstress der Kulturen zu vermeiden. Sie erfolgt über Schattiernetze, feste Systeme oder ein aufgesprühtes Schattierungscoating wie ReduSol, das eine Agrardrohne zonengenau auf das Dach aufträgt. Wie stark beschattet werden sollte, hängt vom Lichtbedarf der Kultur (DLI) und der Lichtdurchlässigkeit der Eindeckung ab.
Das Wichtigste in Kürze
- Beschattungsgrad richtet sich nach der Kultur: Fruchtgemüse (Tomate, Gurke, Paprika) verträgt einen DLI von 20–30 mol·m⁻²·d⁻¹, Salat und Kräuter 12–18, Schattenpflanzen nur 4–10.
- Die Eindeckung zählt mit: Einfachglas lässt ≈ 89 % Licht durch, Isolierglas und Doppelfolie nur ≈ 76–78 % – und braucht damit weniger Coating.
- ReduSol reflektiert Licht und Wärme zugleich, ist auf eine Saison ausgelegt und mit ReduClean rückstandsfrei entfernbar. Üblicher Aufwand: 11–36 Eimer à 20 kg pro Hektar, maximal ≈ 80 % Beschattung.
- Drohnenauftrag lohnt sich ab ≈ 500 m², besonders bei Firsthöhen über 4 m und wenn zonenweise unterschiedlich beschattet werden soll.
- Anwendungsfenster: 5–30 °C, Wind unter 2 m/s, Luftfeuchte unter 80 %, kein Regen in den folgenden 6 Stunden.
- Mit dem Beschattungsgrad-Rechner weiter unten lässt sich der Richtwert für den eigenen Betrieb in Sekunden ermitteln.
Gewächshäuser brauchen Beschattung — besonders im Hochsommer, wenn die Innentemperatur innerhalb weniger Stunden auf 50 °C klettert. Klassisch nimmt man dafür Schattiernetze, die per Seilzug oder Motor auf- und zugefahren werden. Das funktioniert, ist aber grob: voll Schatten oder kein Schatten, gleichmäßig über die ganze Fläche — egal ob die Tomaten in der Südecke schon verbrennen und die Gurken im Norden noch Licht bräuchten.
Eine Alternative ist das Schattierungscoating: eine weiße, reflektierende Schicht, die aufs Dach gesprüht wird und über die Saison liegen bleibt. Eine Drohne kann dieses Coating gezielt und ungleichmäßig auftragen — dichter über den hitzeempfindlichen Zonen, dünner dort, wo Licht fehlt. Bei Firsthöhen über 4 m fällt dabei das Gerüst weg, und ein 2.000 m²-Dach ist in 20–30 Minuten beschichtet statt in einem halben Tag.
Die Frage, die fast jeder Betrieb zuerst stellt, ist aber nicht wie, sondern wie viel. Und das hängt an zwei Dingen: was die Kultur an Licht verträgt, und wie viel Licht durch die Eindeckung überhaupt hereinkommt.
01Warum beschatten – und was passiert ohne
Beschattung steuert zwei Dinge gleichzeitig: Hitze und Licht. Beide werden im Sommer schnell zum Problem, aber nicht für jede Kultur gleich.
- Hitzestau. Über 30 °C Blatttemperatur schließen die meisten Kulturen die Spaltöffnungen, die Photosynthese bricht ein. Bei Tomate und Paprika fällt der Fruchtansatz aus, Pollen werden steril.
- Sonnenbrand. Direkte Mittagssonne auf Früchte führt zu hellen, ledrigen Stellen – nicht mehr vermarktbar.
- Schossen (Bolting). Salat und viele Kräuter schießen bei Hitze und zu viel Licht vorzeitig in die Blüte und werden bitter.
- Lichtstress bei Schattenpflanzen. Orchideen, Farne und viele Grünpflanzen bleichen aus, wenn die Lichtmenge dauerhaft zu hoch ist.
Die Kunst ist, genug Licht durchzulassen, dass die Pflanze produziert, aber so viel wegzunehmen, dass sie nicht in den Hitzestress läuft. Wo dieser Punkt liegt, ist je Kultur verschieden.
02Wie ein Schattierungscoating arbeitet
Im Einsatz ist meist ReduSol (Mardenkro / ReduSystems), ein weißes Coating, das einen großen Teil der Sonnenenergie reflektiert. Es dämpft das gesamte Spektrum – also Licht und Wärme zugleich. An Regentagen ist die Schicht durchlässiger und lässt mehr Licht durch, was im wechselhaften Sommer praktisch ist. Am Saisonende wird sie mit ReduClean abgewaschen; ein paar kräftige Regenschauer spülen den Rest weg.
Es gibt nicht nur ein Produkt, und die Wahl hängt vom eigentlichen Problem ab:
- ReduSol – dämpft Licht und Wärme gleichmäßig. Erste Wahl, wenn beides zu viel ist.
- ReduHeat – reflektiert vor allem die Wärmestrahlung (Infrarot) und lässt mehr nutzbares Licht durch. Sinnvoll, wenn die Kultur eher unter Hitze als unter Licht leidet (z. B. lichthungriges Fruchtgemüse, das nur runtergekühlt werden soll).
- ReduFuse – streut das Licht (diffuses Licht), ohne stark abzudunkeln. Bringt Licht tiefer in den Bestand.
Der Rechner unten ist auf ReduSol ausgelegt, weil es das Standardmittel für die Drohnenapplikation ist. Wo ReduHeat die bessere Wahl wäre, weist er darauf hin.
03Wie viel Licht braucht welche Kultur
Lichtbedarf misst man als DLI (Daily Light Integral) – die Lichtmenge, die pro Tag auf einen Quadratmeter fällt, in mol · m⁻² · d⁻¹. Jede Kultur hat einen Bereich, in dem sie gut produziert; darüber wird zusätzliches Licht nicht mehr in Ertrag umgesetzt, sondern in Hitzeproblemen. Die folgenden Richtwerte stammen aus der gartenbaulichen DLI-Literatur (u. a. Runkle / Michigan State University).
| Kultur | DLI-Zielbereich | Lichtanspruch |
|---|---|---|
| Fruchtgemüse – Tomate, Gurke, Paprika | 20–30 | hoch |
| Erdbeeren | 17–22 | hoch |
| Kräuter – Basilikum, Petersilie | 14–18 | mittel |
| Salat & Blattgemüse | 12–17 | mittel |
| Zier-, Beet- & Balkonpflanzen | 10–16 | mittel |
| Jungpflanzen / Anzucht | 10–14 | empfindlich |
| Schattenpflanzen – Orchideen, Farne | 4–10 | niedrig |
Zum Vergleich: An einem klaren Hochsommertag liegt die Tageslichtsumme im Freien in Deutschland bei rund 45–60 mol. Selbst hinter einer Glaseindeckung kommen davon noch 35–50 mol an – deutlich mehr, als selbst Tomaten verwerten. Genau diese Differenz nimmt die Beschattung weg.
04Die Eindeckung entscheidet mit
Wie viel Licht ankommt, hängt nicht nur vom Wetter ab, sondern auch davon, was das Dach durchlässt. Ein altes Doppelstegplattendach lässt weniger durch als frisches Einfachglas – und braucht entsprechend weniger Coating.
| Eindeckung | Lichtdurchlässigkeit | Anmerkung |
|---|---|---|
| Acrylglas (PMMA) | ≈ 90 % | sehr hohe Transmission |
| Einfachglas | ≈ 89 % | Standard im Erwerbsgartenbau |
| Einfachfolie (PE) | ≈ 88 % | günstig, kurze Lebensdauer |
| Stegdoppelplatte Polycarbonat | ≈ 80 % | diffus, gut isoliert |
| Doppelfolie | ≈ 78 % | aufgeblasen, isolierend |
| Isolier-/Doppelglas | ≈ 76 % | energiesparend, weniger Licht |
ReduSol ist für alle diese Materialien freigegeben – Glas, Acryl, Polycarbonat und Folie.
Beschattungsgrad-Rechner
Eine erste Einschätzung, wie stark Ihr Dach beschattet werden sollte und wie viel ReduSol das ungefähr bedeutet. Vier Angaben genügen.
Annahmen: Der Bedarf wird aus dem Lichtüberschuss eines hellen Tages gegenüber dem DLI-Bedarf der Kultur abgeleitet. Die Umrechnung in ReduSol ist an AgroDrone-Praxiswerten kalibriert (ca. 12–16 Eimer/ha für 30–40 % Beschattung, entspricht ≈ 0,4 Eimer je Prozent; Datenblatt-Spanne 11–36 Eimer/ha à 20 kg, max. ≈ 80 %). Reale Werte hängen von Auftragsart, Witterung, Verschmutzung und Dachgeometrie ab. Dies ersetzt keine Einsatzplanung – für die verbindliche Auslegung sprechen Sie uns an.
05Wann es aufgetragen werden darf
Ein Coating klebt nur dauerhaft, wenn es bei den richtigen Bedingungen aufgebracht wird und genug Zeit zum Abtrocknen hat. Für ReduSol gelten laut Hersteller diese Grenzen:
- Temperatur zwischen 5 °C und 30 °C – darunter trocknet die Schicht zu langsam, nachts kann Kondens sie beschädigen.
- Wind unter 2 m/s (≈ 7 km/h) – stärkerer Wind verweht Sprühnebel, die Schicht wird zu dünn und ungleichmäßig.
- Relative Luftfeuchte unter 80 % für schnelles Abtrocknen.
- Kein Regen in den folgenden 6 Stunden – frischer, noch nicht durchgetrockneter Auftrag wird sonst abgewaschen.
- Trockenes, sauberes Dach – eine nasse oder verschmutzte Eindeckung verdünnt bzw. löst die Schicht.
Das ist auch der Grund, warum witterungsbedingte Verschiebungen normal sind und keinen Verzug darstellen. Eine Drohne hält dieselben Grenzen ein wie die maschinelle Applikation – beim Wind sogar etwas strenger, weil der Auftrag aus der Höhe kommt.
06Drohne, festes System oder Hand
Das Coating per Drohne ist eine von drei Methoden. Welche passt, hängt von Fläche, Firsthöhe und davon ab, wie oft Sie nachsteuern wollen.
| Kriterium | Manuell | Festes System | Drohne |
|---|---|---|---|
| Flexibilität (Zonen) | niedrig | niedrig | hoch |
| Reversibilität | gering | hoch (auf/zu) | gering |
| Zeitaufwand | hoch | gering | gering |
| Erstinvestition | minimal | hoch | mittel (als Service) |
| Sinnvoll ab Fläche | jede | ab ≈ 500 m² | ab ≈ 500 m² |
07Wo die Methode an Grenzen stößt
- Nicht tagesaktuell reversibel. Kommt nach dem Auftrag überraschend eine Wolkenphase, lässt sich die Schicht nicht eben mal wegnehmen. Ein motorisiertes Netz kann das.
- Wind. Über etwa 15 km/h wird der Sprühauftrag auf Glas unsauber – dann wird verschoben.
- Sehr kleine Häuser. Unter ≈ 500 m² ist das Kalkspritzen mit der Gartenspritze meist schneller und günstiger als der Drohneneinsatz.
Wer ein gut funktionierendes motorisiertes Schattiersystem hat und damit zufrieden ist, braucht keine Drohne. Die Methode löst ein konkretes Problem – große Dächer, hohe Firste, zonenweise Steuerung – und nicht jedes.
08Häufige Fragen
Hält ein Schattierungscoating die ganze Saison?
ReduSol ist auf eine Saison ausgelegt und baut sich durch UV und Regen planmäßig ab. Eine bestimmte Haltbarkeit lässt sich nicht garantieren, weil sie von Witterung und Niederschlagsmenge abhängt. In sehr nassen Sommern kann ein Nachauftrag nötig werden.
Bekomme ich exakt den errechneten Schattierungsprozentsatz?
Nein, der Rechner gibt eine Größenordnung. Der erzielte Effekt hängt von Konzentration, Schichtzahl, Material und Witterung während des Auftrags ab. Abweichende Schattierungsziele werden vor dem Einsatz schriftlich festgelegt.
Schadet das Coating der Eindeckung?
Nein. ReduSol ist für Glas, Acryl, Polycarbonat und Folie freigegeben und lässt sich rückstandsfrei mit ReduClean entfernen.
Was, wenn meine Kultur Hitze schlechter verträgt als zu viel Licht?
Dann ist ReduHeat oft die bessere Wahl: Es reflektiert die Wärmestrahlung (Infrarot) und lässt mehr Licht durch. Der Rechner weist darauf hin, wenn die gewählte Kombination eher in diese Richtung geht.
Lohnt sich das für Ihr Haus?
Schreiben Sie uns Fläche, Kulturen und aktuelles Beschattungssystem – wir geben eine ehrliche Einschätzung, kein Verkaufsgespräch.